Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Großzügige Spenden sind dem SZ Adventskalender auch in diesem Jahr wieder durch die Veranstaltung von Konzerten zu Gute gekommen.
Schnubigljuchu!
Bad Tölz – Mit einem bunten Adventskalender versüßte das Benefizkonzert der SZ Bad Tölz-Wolfratshausen die Wartezeit aufs Christkind. Viele Türchen öffneten sich am Donnerstagabend im Tölzer Kurhaus, mit allerhand Überraschendem und Ungewöhnlichem. Etwa die Kostproben „schnubiglbaierischer“ Poesie des Regensburger Musikethnologen Felix Hoerburger, die Beate Himmelstoß mit Verve vortrug. Oder die Musik des Mädchenduos Tuó, das sich am Donnerstag mit dem Gitarristen Amadeus Gregor Böhm zu einem Triú erweitert hatte. Dafür waren die bajuwarischen Weltmusiker Fei scho krankheitsbedingt auf vier geschrumpft, ebenso ihr Arsenal an Instrumenten von normalerweise 18 auf sechs.
„Es wird nicht weihnachtlich, keine Angst“, kündigt Beate Himmelstoß, Sprecherin beim Bayerischen Rundfunk, an. Und tatsächlich kommen die ausgewählten Texte ganz ohne Tannenduft und Winterwunderländer aus. Zum Besinnen sind einige dennoch geeignet. Und zum Schmunzeln auch. Etwa die heitere Parabel „Eine Zirkusattraktion“ von Panos Karnezis über die Kultur und ihre (Ver-)Käuflichkeit. Da lässt sich ein abgetakelter Zentaur nur durch eine ansehnliche Gewinnbeteiligung als Zirkusattraktion gewinnen. „Denn wenn die Konkurrenz mit der Sphinx mit den Riesenbrüsten vorbeikommt, sind wir geliefert“, fleht der Direktor.
Philosophisches von Nietzsche und Schopenhauer, Rilke und Wolf Biermann liest Himmelstoß: Über Wendepunkte im Leben, Nietzsches Lebens-Eros und Schopenhauers Winternächte. Auch Kants Kategorischer Imperativ findet Eingang, in einer erfrischend lebenswirklichen Interpretation von Franz Ringseis. Ist wildes Bieseln im Sinne Kants moralisch vertretbar? Ringseis’ Fazit: „I wui ja net, dass des alle machen, also biesel i ned nei in See.“ Bloß schade, dass es die anderen doch tun: „Weils an Kant ned kennan.“
Zwischen den Lesungen immer wieder Musik, gemäß dem alljährlichen Motto der SZ-Benefizveranstaltung, „Töne und Texte vor dem Fest“. Besonders die beiden von Tuó, Gitarristin Tasmin Gutwald aus Königsdorf und Oda Tiemann aus Gelting an der Djembe, die kürzlich den New Music Award in Berlin knapp verfehlten, begeistern die rund 150 Zuhörer. Mit luftigen Blümchenkleidern sitzen die 18-Jährigen auf der Bühne, selbstbewusst und gelassen, und singen mit kräftigen Stimmenmelancholische Folksongs von Liebe und Freiheit. Auch Mut zum Experimentieren beweisen sie, etwa beim variationsreichen „Paradise“ oder bei „Survivor“ mit seinem stampfenden Rhythmus.
Dass sie sich den 28-jährigen Gitarristen Böhm, Chef des Labels „Flowerstreet Records“, bei dem Tuó unter Vertrag stehen, als Verstärkung geholt haben, ist eine Bereicherung. Die Musik gewinnt durch die zweite Gitarre an Volumen und eröffnet neue Variationsmöglichkeiten.
Weil mit Angela Lex am Donnerstagabend die tragende Flötenstimme ausfällt, wird viel improvisiert bei Fei scho und ihrer ohnehin schrägen Mischung aus Volksmusik, Jazz, Funk und Rock. Geiger Juri Lex übernimmt die Flötenstimme, und so mogelt sich irisches Fiddler-Flair in die bairischen Themen, die den Liedern oft zugrunde liegen. Das dürfte den Musikern fei scho recht sein, denn Volksmusik weiterentwickeln, ungewöhnliche Instrumente und fremde Stile zu Neuem mischen, haben sie sich auf die Fahnen geschrieben. Die Drehleier von Stefan Straubinger etwa schnurrt und rockt, das Bandoneon mit dem ausgezogenen grünen Balg windet sich wie eine Raupe über seine Oberschenkel, es wird vor allem nach der Pause gejodelt und gejuchzt.
Gut gelaunt auch Sprecherin Himmelstoß beim Festschmaus auf schnubiglbaierisch. Von aufdampferter Scheibitzelsoß, Schupfa-dupfa und Erdäpfel-Beizn schwärmt die Sprecherin und steigert sich im Dialog mit Juri Lex zu einem lustvollen Genusshöhepunkt. Schnubiglbaierisch, das klingt, wie Dampfnudeln schmecken: teigig, üppig und weich. Lautmalerische Wortgebilde, die das Unverwechselbare des Dialekts betonen. Auch die Zuhörer lassen sich begeistern und klatschen am Ende eines heiteren Abends im Dreivierteltakt. Schnubigljuchuh.
(SZ vom 17.12.11)
1000 Zuhörer, 2000 Euro Spenden – Deadline auf dem Tollwood
Sozialer Rock 'n' Roll
Sie kamen, sie hörten – und sie blieben. Fast 1000 Besucher des Tollwood- Festivals zog es am Samstagabend in den „Weltsalon“, wo Deadline, die Redaktionsband der Süddeutschen Zeitung, zugunsten des Adventskalenders für gute Werke das Zelt rockte. Bilanz des Abends: Die bestens gelaunten, tanzenden und klatschenden Zuhörer spendeten mehr als 1500 Euro und die Tollwood-Macher legten noch ein paar Hunderter drauf, so dass am Ende 2000 Euro für den SZ-Adventskalender zusammenkamen. Dank an alle Spender.
(SZ vom 19.12.11)
So politisch wie eh und je – der Musiker Hans Well mit seinen Kindern Jonas und Tabea.
Urbayerisch und widerborstig
Am Ende des Abends waren alle zufrieden: das Publikum, weil es sich gut zwei Stunden lang bestens unterhalten fühlte, die Künstler, weil sie trotz einiger kleiner, allerdings durchaus charmanter Holprigkeiten ihr Programm prächtig über die Bühne gebracht hatten, und schließlich auch der Veranstalter, in diesem Fall die Süddeutsche Zeitung, weil der große Stadtsaal im Veranstaltungsforum bis fast auf den letzten Platz gefüllt war und somit ordentlich Geld in die Kasse des SZ-Adventskalenders kam. Das Hilfswerk der Süddeutschen Zeitung unterstützt schon seit mehr als sechs Jahrzehnten Bedürftige – auch im Landkreis Fürstenfeldbruck. Alleine in den vergangenen zehn Jahren, sagte SZ-Redaktionsleiter Gerhard Eisenkolb am Mittwoch zum Beginn der Benefizveranstaltung in Fürstenfeld, seien mehr als eine Million Euro an Spendengeldern in den Landkreis geflossen. Der Bedarf ist unbestritten nach wie vor groß, die Hilfsbereitschaft der SZ-Leser aber auch.
Ganz ohne Zweifel: Für einen gelungen Auftakt der diesjährigen Adventskalender- Aktion haben am Mittwochabend der Münchner Schauspieler Michael Lerchenberg und die Musikerfamilie Well aus dem Türkenfelder Ortsteil Zankenhausen gesorgt. Daran vermochte auch die Tatsache nichts ändern, dass Jonas Well erst vor kurzem eine Zahnspange verpasst bekommen hat („super zum Trompetespielen“) und dann unglücklicherweise auch noch in den Stimmbruch gefallen ist. Hans Well, bis vor kurzem noch Führungskraft der jetzt schon legendären Biermösl Blosn, spielte mit seinen Kindern Tabea und Jonas dennoch so unbekümmert und rotzfrech drauflos, dass ihnen das Publikum auch die kleinen Fehler und Textunsicherheiten jederzeit verzieh. Well hatte auch eine durchaus plausible Erklärung dafür, dass nicht alles wie am Schnürchen klappte: „Das G 8 ist schuld“, sagte er, „die Kinder haben kaum noch Zeit zum Üben.“
Wer meinte, dass der politische Teil des Abends damit auch schon wieder beendet war, sah sich allerdings ganz schnell auf dem Holzweg – oder kennt die Wells nicht. Die stellen sich nicht einfach auf die Bühne, schalten den Weichspülgang ein und spielen Adventslieder, dass einem ganz warm ums Herz wird. Ja, man ist sogar geneigt zu sagen, dass der Name „Wellsittiche“, den sich die Well-Kinder für den Benefiz-Abend der SZ zugelegt haben, arg in die Irre geführt hat, weil er gar so brav und harmlos daherkommt. Denn wenn sie in ihren Liedern schon ein kirchliches Thema aufgreifen, dann kommen in dem Text garantiert der Regensburger Bischof Müller und der Augsburger Ex-Bischof Mixa vor, von denen sich nicht viel Gutes sagen lässt, außer, dass sie höchstwahrscheinlich ziemlich fromm sind. Die Feststellungen, dass „Islamisten nix so sehr fürchten wie einen Andechser Doppelbock“ und die NPD vor allem dann „ein Riesenproblem hat, wenn der Verfassungsschutz verboten wird“ seien einfach mal so in den Raum gestellt. Und wer den wahren Schuldigen für das Scheitern von Münchens Olympia-Bewerbung sucht, voilà: Die Wells stellen ihr Lied vor, mit dem sie der Landeshauptstadt ihren Auftritt in Durban verdorben haben – eine Schuhplattl-Einlage von Jonas inklusive.
Das alles geht natürlich sehr gut zusammen mit den Texten von Oskar Maria Graf, der auch so ein Unbequemer war und den die Obrigkeit kreuzweise konnte. Der Schauspieler Michael Lerchenberg liest die Geschichten, die vor Kraft nur so strotzen, mit sparsamen Gesten und großer Sensibilität, ohne sich selbst über Gebühr zu inszenieren. Es sind Texte, die von Grafs Kindheitserinnerungen in Berg am Starnberger See handeln, von Ludwig II., dem Kini, der dort als Leiche aus dem Wasser gezogen wurde, wenn er nicht vielleicht doch auf die andere Seeseite geschwommen ist. Und vom Wesen des bayerischen Humors an sich sowie von der Zeit im New Yorker Exil, wohin Graf vor den Nazis flüchten musste und wo er nie richtig heimisch geworden ist. Oskar Maria Graf ist auch in Amerika durch und durch ein Bayer geblieben und die Wells müssen ihn aus seinen Büchern offenbar ziemlich gut kennen.
(SZ vom 02.12.11)
Ein einträgliches Meister-Konzert
BR-Gala bringt fast 45.000 Euro für das Kinder-Musik-Projekt mit dem SZ-Adventskalender
Das Benefizkonzert des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks kurz vor Weihnachten war für alle eine lohnende Sache: Die Zuhörer erlebten herausragende Musiker unter Leitung von Mariss Jansons – und für den SZ-Adventskalender blieben am Ende, wie jetzt feststeht, fast 45.000 Euro übrig.
Das Geld wird direkt in das neue Hilfsprojekt „Musik für alle Kinder“ fließen, das das Hilfswerk gemeinsam mit den BR-Symphonikern initiiert hatte. Ziel ist es, dass Kinder aus armen Familien einen Musikunterricht besuchen können. So ermöglicht der Adventskalender zum Beispiel bedürftigen Vorschulkindern und ihren Eltern die Teilnahme an den Konzerten des Vereins „mini-musik – Große Musik für kleine Menschen“. Hier können Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren klassische Musik erleben. Im Anschluss daran sind die Kleinen eingeladen, die Instrumente der Musiker auf der Bühne selbst auszuprobieren. Der Adventskalender will zudem Schulen Instrumente finanzieren, die an Kinder ausgeliehen werden können.
Maestro Mariss Jansons, der bei dem Benefizkonzert auf seine Gage verzichtet hatte, betonte, wie wichtig ihm die Initiative ist. Zu viel Aufmerksamkeit werde auf die technische Ausbildung der Kinder gelegt. „Das sensitive Lernen, die Ausbildung des Gefühls und des Herzens durch die Musik, kommt in unserer Zeit einfach zu kurz.“
(SZ vom 07.01.2011)
Mit Blues und Bossa Nova in die Heilige Nacht
Es war Jazz mit einem Hauch von Melancholie, Besinnlichkeit und wunderbaren Chorussen, über welche die Big Band A Hard Days Night improvisierte. Es war Musik voller Blues, die das SZ-Benefizkonzert zugunsten des SZ-Adventskalenders genau zu dem werden ließ, was Christian Krügel, Ressortleiter für Bayern, München und die Region, gestern Abend in seiner kurzen Ansprache angekündigt hatte: „das ganz andere Weihnachtskonzert“ mit Sängerin Petra Scheeser. Vor allem waren alle 380 Karten im Ludwig-Thoma-Haus verkauft, so dass die Kulturfreunde aus Stadt und Landkreis gemeinsam mit einer großzügigen Spende der Volksbank Dachau zum Erfolg des SZ-Adventkalenders für bedürftige Menschen beigetragen haben.
(SZ vom 24.12.10)
Auch bei den Gassenhauern unter den Weihnachtsliedern kommt es darauf an, wer sie singt: Tritt der Kammerchor des Münchner Pestalozzi-Gymnasiums unter Leitung von Andrea Görgner auf, ist selbst „Oh, du Fröhliche“ ein Hörerlebnis.
Jazzige stille Nacht
Fürstenfeldbruck – Der Adventskalender der Süddeutschen Zeitung, die jährliche Spendenaktion für Bedürftige, kann auf einen großen Freundeskreis zählen. Darauf lässt der rege Zuspruch zur Benefizveranstaltung am Mittwochabend im Stadtsaal schließen. Bislang spendeten die Landkreisbürger deutlich mehr als im vergangenen Jahr, als in der gesamten Region 5,97 Millionen Euro zusammenkamen. SZ-Redaktionsleiter Gerhard Eisenkolb dankte in der Begrüßung allen Spendern. Neben Politikern und Vertretern der Sozialdienste hatte die SZ auch Bedürftige eingeladen, „die sich sonst kein Konzert leisten können“, sagte Eisenkolb. Die wohldosierte Mischung aus Besinnlichkeit und entspannter Heiterkeit war durchaus dazu angetan, auf das bevorstehende Weihnachtsfest einzustimmen.
Auf der einen Seite stand der Kammerchor des Münchner Pestalozzi-Gymnasiums mit seinen wunderschönen Stimmen unter der Leitung von Andrea Görgner, „Dompteuse“ nannte sie Marianne Sägebrecht. Sie sangen klassische Weihnachtslieder wie „Oh, du Fröhliche“ oder die „Weihnachtsweise“. Die „Hundsbuam“, ansonsten nicht unbedingt schwerpunktmäßig für Weihnachtslieder zuständig, sahen sich „als Dienstleister für Marianne Sägebrecht“ und hatten alles Miserablige abgelegt. Michael Schmölzl am Akkordeon, Reinhard Greiner mit der Trompete und „was ganz Rares“, betonte die 65-jährige Schauspielerin, die Tubistin und Posaunistin Marion Dimbath, kamen mit den ungewohnten, besinnlichen Weisen in der „edelweißfreien Zone“ sehr gut zurecht. Ausgerechnet beim Lied „Stille Nacht“ brach dann aber ihre Vorliebe fürs Jazzige durch. Greiners Jazztrompete mit Dämpfer und die rhythmischen Improvisationen ergaben eine reizvolle Variante des Weihnachtsklassikers.
Zwischendurch gab Marianne Sägebrecht ihre liebsten Weihnachtsgeschichten zum Besten, von so unterschiedlichen Autoren wie Wolfgang Borchert, Uli Wittmann, dem Turmschreiber Herbert Schneider und Mahatma Gandhi. Zuallererst allerdings fingerte sie ihre Lesebrille aus dem Ausschnitt, „meine Hausbar“, sagte sie augenzwinkernd. Sie erzählte von alten Bräuchen rund um das Fest, der Mettensuppe und Engelsspeis’, einer deftigen Schlachtplatte, die nach der Christmette der Stärkung dienten. Von drei dunklen Königen, die sonderbare Heilige, nämlich frierende und verstümmelte Soldaten waren. Die Zuhörer erfuhren, wo wir hinkämen, wenn exotische Gewürze und festliche Leckereien, auch polnische Gänse, die hingesprühte Parole „Ausländer raus“ allzu wörtlich nähmen und in ihre Heimat zurückkehrten. Sogar das aus Österreich stammende Lied „Stille Nacht“ dürfte ohne Sondergenehmigung dann nicht mehr gespielt werden.
Das leidige Thema „Geschenke“ arbeitete „Mann“ ein Mal ganz pragmatisch mit einem fettfleckigem Taschenbuch für seine Liebste ab. Dagegen stellte Sägebrecht ein echtes Märchen, „von Frauen für Frauen“, in dem mit einer Lüge, die nur mit weiblicher Logik zu verstehen ist, der Ehemann gegen George Clooney ausgetauscht wird. Zum Abschluss versuchte die Schauspielerin als Kräuterhexe ein kleines „Attentätchen“, wie sie es nannte, auf das Publikum. Allerdings wollten sich nur ein paar wenige Zuhörer der zutraulichen Zeremonie mit unbekanntem Gegenüber, von Herz zu Herz mit Handauflegen bis der Pulsschlag fühlbar wird, unterziehen. Die Verweigerung der zwischenmenschlichen Dienstleistung muss jedoch nicht zwangsläufig auf das Weihnachtsfest abfärben.
(SZ vom 24.12.10)
Maestro Mariss Jansons (links) verzichtete auf seine Gage, wofür ihm nach dem Konzert der künftige SZ-Chefredakteur Kurt Kister und Claudia Strasser, Geschäftsführerin des Adventskalenders, dankten.
Wohlklang der guten Tat
In Berlin wird noch heftig um das Bildungspaket für Kinder aus armen Familien gerungen. Der „Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung“ hat sein weitaus umfassender angelegtes Programm dank der Hilfe der SZ-Leser längst vorbildlich verwirklicht. Nach dem SZ-Schülerlunch, das bedürftigen Kindern die Teilnahme am Mittagessen in der Schule sichert, und dem Projekt „Sport für alle Kinder“, das kostenlose Sportvereinsmitgliedschaften ermöglicht, hat nun das Hilfswerk mit dem Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks als Partner eine weitere Initiative gestartet: „Musik für alle Kinder“. Das neue Projekt verschafft Kindern aus bedürftigen Familien den kostenfreien Zugang zu Musik- und Instrumentalunterricht.
Mit einem Benefizkonzert im Herkulessaal der Residenz hat das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks einen furiosen Auftakt zu der neuen Aktion gegeben. Das live auf BR Klassik übertragene Konzert unter Leitung des Dirigenten Mariss Jansons mit dem Pianisten Lars Vogt und der Sopranistin Miah Persson war ausverkauft. Die Künstler hatten auf ihre Gage verzichtet, um dem SZ-Hilfswerk das Startkapital für das neue Projekt zu geben. Mit dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur von Ludwig van Beethoven und der Symphonie Nr. 4 von Gustav Mahler sicherten sich die Zuhörer nicht nur „einen ganz besonderen Genuss“, wie Karl Ulrich, der Vorsitzende des gemeinnützigen Adventskalender-Vereins, vor dem Konzert betonte. Der Erwerb der Eintrittskarten „hilft Kindern, den Weg zur Musik zu ebnen“. Denn auch in einer Stadt wie München, die gemeinhin als reich gilt, können es sich viele Eltern nicht leisten, ihren Kindern eine Musikausbildung zu bieten.
Ulrich dankte dem BR-Symphonieorchester, Mariss Jansons, Lars Vogt und Miah Persson, die mit ihrem Engagement einen wertvollen Beitrag dazu leisten, Kindern aus bedürftigen Familien zu ermöglichen, am Musikerlebnis teilzuhaben. „Die Kinder sind die Gewinner des heutigen Abends“, betonte Ulrich. Mariss Jansons erzählte nach dem Konzert, wie wichtig das Projekt ihm und den Musikern seines Orchesters ist. In Schule und Universität werde alle Aufmerksamkeit auf die technische Ausbildung gelegt. „Das sensitive Lernen, die Ausbildung des Gefühls und des Herzens, unter anderem durch die Musik, kommt in unserer Zeit einfach zu kurz“, sagte Jansons. Viele Studien hätten erwiesen, wie wichtig das Erlernen eines Instruments für Kinder ist, betont auch Karl Ulrich. „Musikunterricht fördert die Intelligenz und die soziale Kompetenz. Musik zeigt Wege zu Kreativität und Phantasie. Diese Chance sollte allen Kindern eröffnet werden.“
Mit dem Reinerlös des Konzerts wird der SZ-Adventskalender gezielt Musikprojekte für Kinder aus sozial benachteiligten Familien fördern. So ermöglicht der Adventskalender zum Beispiel bedürftigen Vorschulkindern und ihren Eltern die Teilnahme an den Konzerten des Vereins „mini-musik – Große Musik für kleine Menschen“. Sie lassen Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren klassische Musik erleben. Im Anschluss daran sind die Kinder eingeladen, die Instrumente der Musiker auf der Bühne selbst auszuprobieren.
An vielen Schulen wird Instrumentalunterricht angeboten. Doch wer am Existenzminimum leben muss, kann sich den Kauf etwa einer Geige nicht leisten. Der Adventskalender will deshalb den Schulen Instrumente finanzieren, die an Kinder ausgeliehen werden können. Ebenso sollen auch Musikunterricht und Kursangebote für Kinder aus armen Familien unterstützt werden. Eine längerfristige Kooperation zwischen dem BR-Symphonieorchester und dem SZ-Adventskalender könnte einiges bewegen, wie Ulrich unter Berufung auf ein Beethoven-Zitat meint: „Musik kann die Welt verändern.“ Aber auch für die Zuhörer des Benefizkonzerts – darunter viele langjährige Spender – war der Abend ein Gewinn: „Eleganter lässt sich Beethovens erstes Konzert kaum wiedergeben“, zollte SZ-Kritiker Joachim Kaiser dem Pianisten Lars Vogt Anerkennung. Und bei Mahlers Symphonie lobte Kaiser, „wie souverän das BR-Orchester allen Einzelheiten gerecht wurde mit Temperament und Kunstfertigkeit“. Das Publikum dankte es mit frenetischem Beifall.
(SZ vom 20.12.2010)