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17.12.2011

SZ – Landkreisausgabe Fürstenfeldbruck

Würdig, selbstbestimmt und schmerzfrei

Margit Gratz’ Terminkalender ist voll. Nach vier Stunden am Telefon des Hospizvereins Germering, wo sie mit hilfesuchenden Angehörigen gesprochen oder Hinweise von Ärzten oder Pflegediensten auf einen Sterbenden entgegengenommen hat, bleibt ihr kaum Zeit für die verspätete Mittagspause. Danach hat sie einen Termin im Klinikum Großhadern für ein sogenanntes Erstgespräch.



Dort trifft sie einen Patienten, der erfahren hat, dass er nicht mehr lange leben wird. Bisweilen sind auch die Angehörigen bei einem derartigen Gespräch mit dabei. Denn Hospizarbeit ist nicht nur für den Patienten gedacht, auch Angehörige und Freunde sollen durch die Gespräche mit speziell geschulten, ehrenamtlichen Hospizbegleitern geholfen werden, besser mit der bedrückenden Situation, dem Warten auf den Tod, umzugehen. Gratz teilt sich mit Christine Lambers die Einsatzleitung im Hospizverein. Beide eruieren bei dem ersten Treffen die Bedürfnisse von Patienten und Angehörigen, bieten die Dienste der Hospizbegleiter sowie eine Palliativberatung an, bei der es darum geht die Situation von der medizinischen Seite her so erträglich wie möglich zu gestalten, etwa indem genug Schmerzmittel verabreicht werden. Ist Hilfe willkommen, wird sie bis zum Tod und – für die Angehörigen – darüber hinaus allen Germeringern kostenlos gewährt. Für die anderen Landkreisbewohner bietet die Caritas Fürstenfeldbruck einen vergleichbaren Hospizdienst an.
Den Germeringer Verein gründeten 1999 mehrere soziale Einrichtungen, Vorsitzender ist der frühere Oberbürgermeister Peter Braun. „Wir haben von Jahr zu Jahr mehr Anfragen“, berichtet Gratz. Das führt sie darauf zurück, dass das Bewusstsein für eine würdigen, selbstbestimmten, schmerzfreien und möglichst schönen letzten Lebensabschnitt, wie ihn der Verein ermöglichen will, in unserer Gesellschaft wächst.
Ähnlich sieht Rolf Eissele die Lage. Der Ärztliche Direktor des Klinikums Fürstenfeldbruck mit einer Zusatzausbildung in Palliativmedizin baute vor sechs Jahren eine Palliativstation in dem Haus auf. „Das war eine gesellschaftliche Entwicklung“, begründet er das zusätzliche Angebot. Seither können in sieben Betten Patienten mit einer „lebensbegrenzenden Diagnose“, wie es im Fachjargon heißt, ihren letzten Lebensabschnitt verbringen oder so weit gesundheitlich stabilisiert werden, dass sie wieder in ihr eigenes Zuhause, ein Pflegeheim oder auch ein Hospiz, also eine Einrichtung der Sterbebegleitung, entlassen werden.
Die Palliativstation ist laut Eissele immer belegt. „Unsere sieben Betten sind der limitierende Faktor“, einen Antrag, die Station auf zehn Betten zu vergrößern, habe das Sozialministerium im Vorjahr abgelehnt. Nicht zuletzt deshalb wurde Anfang des Jahres der Verein Hospiz- und Palliativnetz für den Landkreis FFB gegründet. Neben dem Klinikum sind 13 Verbände aus dem Landkreis wie Caritas, AWO und Nachbarschaftshilfe Mitglied. Sie wollen aufklären, ein Netzwerk sowie ein Team für die ambulante Palliativmedizin aufbauen. Der Fokus solle damit mehr auf das Sterben Zuhause gelegt werden, erläutert der Chefarzt.
Sowohl Eissele als auch Gratz unterstreichen, dass die Hospizarbeit nicht nur für die auf den Tod wartenden Patienten wichtig ist, sondern auch für die Angehörigen. Dabei herrscht unter den Betroffenen nicht unbedingt Einigkeit über die Haltung zu dem Angebot. So berichtet Gratz von Fällen, wo der Patient eine Sterbebegleitung strikt ablehnt, der Partner diese aber sehnlichst wünsche. In solchen Fällen wird ein Kompromiss gesucht, wobei der Wunsch des Patienten stets respektiert wird. Manchmal könne dann aber auch schon ein Gespräch mit dem Ratsuchenden helfen, erklärt die Einsatzleiterin.
Das psychische Wohlbefinden spielt in der Hospizarbeit eine große Rolle, egal, ob es um Patienten, Angehörige, Ärzte und Pflegekräfte oder Hospizhelfer, Palliativ-Fachkräfte und Trauerbegleiter für die Angehörigen für die Zeit nach dem Tod geht. Für alle Mitarbeiter gibt es regelmäßige Supervisionen, um das Erlebte zu verarbeiten, in der Klinik tägliche Teambesprechungen mit einem Seelsorger. Und der Hospizverein bietet Trauernden monatlich eine offene Trauergruppe sowie das Café Lebenswillen an.

(SZ vom 17.12.11)