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15.12.2011

SZ – Landkreisausgabe Dachau

Schlag auf Schlag

Einer sechsköpfigen Familie wurden Zuschüsse des Staates gestrichen – ihr finanzieller Spielraum ist gleich Null. „Das ist mein persönlicher Albtraum“, stöhnt Katharina N.(Name geändert), als sie sämtliche Schicksalsschläge der letzten Wochen aufgezählt hat.



Denn egal wie sich die 39-jährige Mutter von vier Kindern gemeinsam mit ihrem Mann Thomas auch abmüht, das Geld reicht jetzt vor Weihnachten noch viel weniger als je zuvor. Dabei arbeitet Katharina N. Vollzeit im öffentlichen Dienst, doch ihr Mann hat Ende Oktober seinen Job auf dem Bau verloren. Auf 400-Euro-Basis hat Thomas N. gearbeitet, denn alle vier Kinder gehen noch zur Schule, brauchen morgens und am Nachmittag Betreuung. „Im Frühjahr hat er wieder Arbeit, aber wir müssen über den Winter kommen.“
Doch das ist schwierig, denn gerade jetzt hat die Familie, die in einer Gemeinde im Landkreis lebt, mehrere staatliche Leistungen verloren. „Es ist ein Unglück, dass sich alles überschnitten hat.“ Wegen einer geringen Summe, die Katharina N. im November als Weihnachtsgeld erhalten hat, wurde der Kinderzuschlag gestrichen. Dieser staatliche Zuschuss soll Familien mit geringem Einkommen ersparen, Hartz-IV-Leistungen beantragen zu müssen. Dann bleibt auch noch der Unterhalt für zwei ihrer vier Kinder plötzlich aus. Weil deren Vater auch seine Arbeit verloren hat, zahlt er nicht mehr. Der finanzielle Spielraum der Familie ist bereits bei Null, da stellt die Wohngeldstelle vorübergehend die Zahlung ein. Mitte des Jahres ist die sechsköpfige Familie umgezogen, einige Monate lang wurde der alte, überhöhte Wohngeldbetrag angewiesen. Diese Summe wird jetzt auf einen Schlag einbehalten. Dass sie zu viel Wohngeld erhalten hat, weiß Katharina N. Aber weil der Umzug viel Geld verschlungen hat, hätte sie die Überzahlung lieber langsam abgestottert. „Denn im Frühjahr steht uns schon wieder ein Umzug bevor.“
Ausziehen muss die Familie, weil die Wohnung, in der sie sich gerade ein wenig eingerichtet hat, nun kernsaniert oder sogar das gesamte Haus abgerissen werden soll. Eine neue Bleibe hat der Vermieter zwar beschafft. „Aber das war so nicht geplant“, sagt die vierfache Mutter, die bereits weiß, wie ein erneuter Umzug nicht nur Kraft und Organisationstalent kosten, sondern auch wieder massiv ins Geld gehen wird. Für die Klassenfahrt des Ältesten will sie Mittel aus dem Bildungspakt beantragen. Dass die Kostenübernahme bewilligt wird, kann sie nur hoffen. Denn Zuschüsse hängen stets vom Einkommen zu einem bestimmten Stichtag ab.
Wer genau im fraglichen Monat durch Überstunden oder Zulagen einige Euro mehr Verdienst hat, dem wird die Unterstützung komplett verwehrt. So hat Familie N. im September für ihre vier schulpflichtigen Kinder den Schulzuschuss nicht bekommen, wie die Mutter enttäuscht berichtet.
Jetzt im Dezember weiß Katharina N. nicht mehr ein noch aus. Auch wenn ihren Kindern bewusst ist, dass es an Weihnachten keine große Geschenke geben wird, erzählen die vier der Mutter doch voller Vorfreude, was sie auf ihren Wunschzetteln notiert haben. „Nichts Besonderes, vor allem Klamotten und einen Drucker für die Hausaufgaben.“ Wie sie auch nur einen einzigen Wunsch erfüllen soll, ist Katharina N. ein Rätsel.

(SZ vom 15.12.11)