Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Seit 48 Jahren wohnt Katrina S. in einer kleinen Wohnung in Gilching, die dringend eine Renovierung bräuchte. Nur mühsam kann die 87-Jährige sich versorgen, ist ständig auf die Betreuung des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi) angewiesen. Sie stammt aus dem Sudentenland, ist dort in einer großen Familie aufgewachsen.
Bei Kriegsende, gerade 21, erlebte sie, wie Landsleute vergewaltigt und ermordet wurden, verhungerten. Die Familie konnte fliehen, wie viele Heimatvertriebene standen Eltern und Kinder vor dem Nichts. Kaum im Westen angekommen, starben zwei Schwestern an Schwäche und nur mühsam konnte die Familie sich mit Hilfsarbeiten über Wasser halten. Katrina S. hat dieses Trauma nie verwunden. Dabei schien sie anfangs ein gutes Los gezogen zu haben. Sie hatte Weberin gelernt und fand eine Anstellung, arbeitete sich hoch. „Ich hatte einige Webstühle unter mir“, erzählt sie. Doch groß war der Verdienst nicht. Mit 23 Jahren heiratete sie, die Ehe hielt aber nicht. Zehn Jahre später bekam sie einen unehelichen Sohn, den sie ohne Hilfe des Vaters großziehen musste – 1957 noch ein großes Makel! Im Lauf der Zeit wurde sie depressiv, hatte Panikattacken, es entwickelte sich eine Paranoia: oft konnte sie tagelang das Haus nicht verlassen. Als der Sohn in die Pubertät kam, wurde das Zusammenleben in der winzigen Wohnung (nur ein Schlafzimmer) schier unerträglich und Frau S. versuchte, sich das Leben zu nehmen.
Nach der Entlassung aus der Klinik und mit Hilfe von Medikamenten kam sie langsam wieder auf die Beine, fand wieder Arbeit. Doch ihr Körper rebellierte: zwei Herzinfarkte und ein Schlaganfall, es blieben Schwindelanfälle und gravierende Sehstörungen – sie verlor den Job und die Paranoia hatte sie wieder voll im Griff. Der Sohn floh vor der Mutter, die überall Feinde sah. Heute lebt er in Amerika, der Kontakt ist gleich Null. Ihr Verfolgungswahn beeinträchtigt auch das Verhältnis zu den Nachbarn. Ihre karge Rente wird durch Grundsicherung aufgestockt, trotzdem muss sie viele Medikamente selbst zahlen. An eine neue Brille oder gar neue Zähne ist nicht zu denken. Frau S. braucht dringend Unterstützung, auch wenn sie selbst meint, dass „andere das Geld eher nötig haben“.
(SZ vom 06.12.11)