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13.12.2011

SZ – Landkreisaussgabe Herrsching

Geld für eine neue Brille

Mit ihrer Rente kann sich Helga N. weder Nötiges noch Extras leisten. „Sie ist ein fröhlicher Mensch, sehr kommunikativ und dankbar, wenn man ihr behilflich ist.



Seit einiger Zeit sitzt sie im Rollstuhl und kann nur noch bedingt am öffentlichen Leben teilnehmen, dadurch ist sie extrem abhängig von ihrem Umfeld“, sagt die Sozialpädagogin und Leiterin der Herrschinger Insel, Barbara Maier-Steiger, über Helga N. Das Schicksal der knapp 60-Jährigen lässt die Betreuerin nicht kalt, auch weil die alte Dame alles versucht, um niemandem zur Last zu fallen.
Helga N. habe mehrere chronische Krankheiten, berichtet die Sozialpädagogin. Sie ist herzkrank, leidet an Diabetes, hat eine Speiseröhrenverätzung und einen Bandscheibenvorfall. Und nun wurde zudem eine Polyneuropathie festgestellt: Beim Gehen versagen ihr die Beine, sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. Helga N. ist alleinstehend, ihr Bruder lebt in Kroatien, es gibt keine anderen Verwandten. Sie hat als Bürokauffrau gearbeitet, doch weil sie öfters krank war, fiel sie bei einer Entlassungswelle durchs Raster. Sie fand keinen Job mehr. Mittlerweile ist sie schwerbehindert und damit arbeitsunfähig.
Mit etwas über 700 Euro liegt ihre Rente knapp über dem Sozialhilfeniveau. Da sie in einer günstigen Sozialwohnung lebt, bekommt sie keine Grundsicherung, muss selbst für Miete und Heizung aufkommen. Für eine neue Gleitsichtbrille reicht ihre Rente allerdings nicht. Und die bräuchte Helga N. ganz dringend, findet Barbara Maier-Steiger. „Sie versucht schon länger, sich die Brille vom Mund abzusparen, aber das dauert viel zu lange. Ihre jetzige Brille ist mehrfach geklebt, die Gläser viel zu schwach.“
Eine gute Beratung durch die Herrschinger Insel machte es möglich, dass ihr Bad rollstuhlgerecht umgebaut werden konnte. Damit hat sie nun wieder etwas mehr Selbstständigkeit zurückgewonnen. „Sie wusste gar nicht, dass ihr dafür Zuschüsse von der Krankenkasse und von kommunalen Stellen zustehen. Sie findet es jedoch wunderbar, dass sie jetzt ohne Hilfe duschen kann“, erzählt die Beraterin. Selbstständig einkaufen kann die Rentnerin jedoch nicht mehr, für diese Aufgabe musste ein Sozialdienst engagiert werden. Auch im Haushalt braucht sie regelmäßig Unterstützung, das Gröbste wird ebenfalls vom Sozialdienst erledigt. „Sie hat eine sehr gute Nachbarin, die sich sehr kümmert und ihr so gut wie möglich hilft.“
Und dieser freundlichen Frau würde Helga N. gerne ein Weihnachtsgeschenk machen, doch auch dafür ist kein Geld da. Trotz ihrer positiven Einstellung zum Leben deprimiere es sie, dass sie sich in keiner Weise revanchieren könne. Für einen Weihnachtsbaum oder gar ein kleines Extra zum Festessen reicht die Rente ebenfalls nicht.

(SZ vom 13.12.11)