SZ Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung

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13.12.2011

SZ – Landkreisausgabe Erding

Das kleine Glück – absolut unentbehrlich

Wenn das Amtsgericht Erding einem Menschen einen gesetzlichen Betreuer zur Seite stellt, hat das immer gravierende Gründe.



Wegen einer schweren psychischen Erkrankung, einer starken Suchtmittelabhängigkeit oder Demenz ist der Betroffene nicht in der Lage, sich um die eigenen Angelegenheiten ausreichend selbst zu kümmern. Doch so unterschiedlich die individuellen Probleme der Menschen auch sind, so ist dem größten Teil der Betreuten doch eines meist gemeinsam: Sie sind arm und einsam, auf Sozialhilfe angewiesen und haben kaum soziale Kontakte.
Andreas Meier und seine drei Kollegen von der Erdinger „Bürogemeinschaft gesetzliche Betreuung“ sind professionelle, vom Gericht für rund 180 Frauen und Männer bestellte Betreuer. Um über die Grenzen dessen, was ihr beruflicher Auftrag ist und was die Sozialhilfebürokratie zulässt, hinaus etwas tun zu können, haben sie einen gemeinnützigen Verein gegründet. Der heißt zwar etwas sperrig „Soziale Arbeit in der gesetzlichen Betreuung“, hilft aber ganz lebensnah und pragmatisch.
Da gibt es zum Beispiel die Freizeitgruppe des Vereins für psychisch Kranke. 15 bis 18 Frauen und Männer unternehmen einmal im Monat etwas zusammen, machen Ausflüge, gehen zum Kegeln oder einfach nur Pizza essen. „Eine lockere Runde“, sagte Meier, die Spaß macht, wohltut und wichtig ist. Denn für die meisten Teilnehmer sind es die einzigen Freizeitaktivitäten und regelmäßigen sozialen Kontakte. Da aber auch Freizeit Geld kostet, unterstützt der Verein jeden Teilnehmer mit jeweils zehn Euro.
Individuelle Hilfen ist ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit des Vereins. In diesem Jahr richteten Meier und seine Mitstreiter deshalb „den Focus auf die Verbesserung der Wohnsituation“ ihrer Betreuten.
Ein Beispiel: Ein 53-jähriger Erdinger lebte seit Jahren in einem tristen, möblierten Zimmer. Dann bekam er die Möglichkeit, einen zweiten, kleinen Raum als Schlafzimmer dazu zu nehmen. Nur: Da der Mann seit Jahren auf einer Couch geschlafen hatte, war er nicht im Besitz eines Bettes. Die Sozialhilfe zahlt jedoch grundsätzlich keine neuen Möbel. Für größere Anschaffungen sollte sich, so die Theorie, ein Sozialhilfeempfänger selbst Geld ansparen. „Das kriegt aber kaum jemand hin“, sagt Meier. Und selbst wenn, hätte es wohl Monate gedauert. Also sprang der Verein ein und besorgte ein gebrauchtes Bett beim Second- Hand-Möbelladen Rentabel. Außerdem ergriff man zusammen die Gelegenheit, kaufte zwei Eimer Farbe und gab dem Appartement einen neuen Anstrich. „Eine Lebenswertsteigerung“, sagt Meier. In anderen individuellen Fällen half der Verein bei einer dringend notwendigen Fahrradreparatur, der Beschaffung wohltuender Salbe, die die Krankenkasse nicht zahlen wollte, oder mit Energiesparlampen.
Eine schöne Aktion des Vereins ist für ausnahmslos alle da: Jedes Jahr werden in der Adventszeit etwa hundert Päckchen gepackt und verschickt. Eine kleine Packung Lebkuchen und eine nette Grußkarte – für viele der Betreuten die einzige Geschenksendung, die sie in der Weihnachtszeit erreicht. Der SZ-Adventskalender für gute Werke möchte diese Tradition und die vielen punktgenauen Hilfestellungen des Vereins „Soziale Arbeit in der gesetzlichen Betreuung“ auch dieses Jahr wieder unterstützen.

(SZ vom 13.12.11)